Bei einer Tasse Tee erzählt unser Korrekturleser Peter Dehmel über seine Beziehung zu „Po swetu” („По свету”, 4/2011). Und über das Werden der Zeitschrift:

„... Meine Gedanken gehen zurück ins Jahr 1948. Da war ich Schüler der 7. Klasse. Eines Tages brachte unser Russischlehrer eine große dünne Zeitung mit in den Unterricht. Oben drauf stand in großen Buchstaben: „По свету”. Wir hatten gerade 2 Jahre Russischunterricht hinter uns, und unser Lehrer, Herr Schilling, freute sich sehr, als wir die meisten Texte gut verstehen konnten — nicht wortwörtlich, aber doch dem Sinn nach. Und wir selbst freuten uns auch, denn originale russische Zeitungen, die er uns hin und wieder mitbrachte, hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch kaum zu lesen vermocht (sie waren uns auch zu „trocken”, für Erwachsene bestimmt). Viele Veränderungen in Aussehen und Inhalt hat die „По свету” seitdem durchlaufen. 1965 wurde aus der Zeitung eine Zeitschrift im A-5-Format. Jahrzehntelang war die „По свету” mit ihren Untertiteln Around the world und Á travers le monde, die auf die im Heft enthaltenen englischen und französischen Teile hinwiesen, ein wertvoller Begleiter des Fremdsprachenunterrichts in der DDR. Zur Wendezeit steuerte Jelena König, schon seit 1978 Chefredakteurin, das „Schiff” „По свету” erfolgreich an vielen Riffen und Strudeln vorbei in die Marktwirtschaft. Die Zeitschrift wurde farbig und auf besserem Papier gedruckt, Englisch und Französisch fielen heraus, dafür bekamen 10 Jahre lang kleine polnische und tschechische Texte Gastrecht, was auch vorn auf dem Umschlag mit den Untertiteln Po swiecie und Po svete vermerkt war. Schon 1978 hatte Jelena König einen Schülerbeirat gebildet. In den neunziger Jahren wurde daraus eine Jugendredaktion, die nicht nur die „По свету”, sondern vor allem die Beilage „МостТы” mitgestaltet. Es macht immer wieder Freude, die engagierten Beiträge dieser jungen Hobbyjournalisten anzusehen. Bald nach Gründung der „МостТы”, zu Beginn des neuen Jahrhunderts, begann ich Korrektur zu lesen, zunächst nur für „МостТы”, ein paar Jahre später auch für „По свету”. So habe ich eine Reihe von Jahren vertrauensvoll mit Frau König zusammengearbeitet, immer bestrebt, Fehler und Ungenauigkeiten zu entdecken (und ohne mich dabei in die inhaltliche Gestaltung der Zeitschrift einzumischen). Seltsam: es gab in der „По свету” seit Langem schon eine Korrektorin, mit der ich nun parallel las, und das war, wie sich herausstellte, meine Klassenkameradin aus den Schuljahren 1951–54, Rita Thomann. Zufällig, völlig unabhängig voneinander hatten wir zu ein und derselben Tätigkeit gefunden. So klein ist manchmal die Welt! Nun hat Jelena Gurskaja das Steuer der „По свету” von Jelena König übernommen. Auch ihr möchte ich, wenn es geht, noch eine Weile im Hintergrund zur Seite stehen, und ich wünsche ihr viel Erfolg. Von Ihnen aber, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich mir, dass auch Sie „По свету” und „МостТы” tatkräftig unterstützen — mit Ihren Hinweisen, Texten, Bildern und — Ihrem Abo."


Фото: О. Червоник